Berlin Motor Show
Deutschland ist ein Autoland. Das machen auch unsere Politiker deutlich und fahren als Dienstwagen meist elegante Edelkarossen - natürlich - deutscher Produktion. Die Deutsche Umwelthilfe prangerte jüngst die Fahrzeugflotte der Ministerinnen und Minister als böse Dreckschleudern und Klimakiller an. Der hoheitliche Fuhrpark war heute auch Thema in der Regierungspressekonferenz.
Den Anfang machte der Sprecher von Gesundheitsministerin Schmidt, Klaus Vater. Der sprach angesichts der Dienstwagen-Liste der Umwelthilfe von “skandalösem” Verhalten der Organisation und davon, dass sein Ministerium möglicherweise einen Anwalt einschalten werde. Denn die DUH hatte in einer Liste (inzwischen aktualisiert) einen deutlich höheren CO2-Ausstoß veröffentlicht, als Ulla Schmidts aktueller Wagen tatsächlich habe. Die Uwelthilfe reagierte prompt und korrigierte ihre Liste. Wirklich sparsam und ökologisch vorbildlich sind die Schlitten der Ministerinnen und Minister aber immer noch nicht. Bei allen liegt die Höchstgeschwindigkeit locker über 230 und der CO2-Ausstoß ist entsprechend.
Regierungssprecher Thomas Steg verteidigte die Flotte, die in den vergangenen Jahren stetig modernisiert worden und dadurch auch umweltfreundlicher geworden sei:
“Sie müssen mal davon ausgehen, dass die Ministerinnen und Minister natürlich in ihrem Amt auch Pflichten zu erfüllen haben, in der Öffentlichkeit zu erfüllen haben, um ihrewn Amtsgeschäften nachzukommen, um ihren repräsentativen Pflichten gerecht zu werden und sie werden natürlich auch nachvollziehen können, dass bei dieser Tätigkeit dann auch bestimmte Anforderungen an ein Fahrzeug zu richten sind und, dass eine Ministerin oder ein Minister, ein Mitglied der Bundesregierung, seine Amtsgeschäfte sicherlich nicht mit Rikscha, Sänfte oder anderen Fort- und Transportmitteln ausüben kann”.
Ehrlich gestanden mag man auch nicht in der Haut eines Rikschafahrers oder Sänftenträgers bei Umweltminister Gabriel (SPD) oder Wirtschaftsminister Glos (CSU) stecken.
Dessen Ministerium ließ heute noch schnell mitteilen:
‘”Folgende Korrektur ist zum Dienstwagen von Herrn Minister Glos, einem BMW 730 Ld Diesel zu vermerken: Der CO2-Ausstoß beträgt 216 g/km.”
Und die anderen, die sich von der Umwelthilfe falsch verstanden fühlen, ließen sich beim ministeriellen Auto-Quartett auch nicht lumpen:
“Aktuelle Dienstwagen von Bundesumweltminister Gabriel (Stand März 2008):
1. Seit August 2007: AUDI A 8 2.8 FSI, Baujahr 2007, 154 kW, 238 km/h Höchstgeschwindigkeit, CO2-Ausstoß 199 g/km
2.Seit Dezember 2007: Mercedes S 400 Hybrid. Es handelt sich hierbei um ein Erprobungsfahrzeug, das Daimler dem Bundesumweltminister zur Verfügung gestellt hat.
3.Seit August 2007: Mercedes E 200 NGT (Erdgas/Benzin), 120 kW, 227 km/h Höchstgeschwindigkeit, CO2-Ausstoß im Erdgasbetrieb 168 g/km)”
Bundesministerium für Landwirtschaft (Horst Seehofer, CSU):
´”1. Audi A8 / Baujahr 2007 / Motorleistung - 171 kW / Höchstgeschwindigkeit 243 km/h / StO Berlin
2. Audi A8 /Baujahr 2007 / Motorleistung - 171 kW / Höchstgeschwindigkeit 243 km/h / StO Ingolstadt”
Justizministerium (Brigitte Zypries, SPD):
“Fahrzeuge der Ministerin:
1. Audi A8L 4,2 TDI (DPF) quattro / Baujahr 2007 / Motorleistung - 240 kW / Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
2. Audi A6, 4 F 2,4 multitronic Baujahr 2006 / Motorleistung - 130 kW / Höchstgeschwindigkeit 226 km/h”
Bundesministerin für Familie Ursula von der Leyen (CDU):
“Audi A8 3.0 TDI mit Dieselpartikelfilter Baujahr 2007 171 kW 243 km/h”
P.S. Weil die Anforderungen an die Fahrzeuge von Kanzlerin, Außen-, Innen- und Verteidigungsminister in Punkto Sicherheit besonders hoch sind und die Autos durch ihre Panzerung viel viel mehr als normale Fahrzeuge auf die Waage bringen, hat die Umwelthilfe ihre CO2-Werte übrigens nicht abgefragt.